Montag, 24. Mai 2010

Warum?

Warum will man immer das, was man nicht haben kann? Das, von dem man weiß, dass es einen kaputt macht? Dass es einen traurig macht?
Genau das war der Grund, warum er sich von mir getrennt hat. Weil sein eigener psychischer Zustand es nicht zuließ, jemanden an seiner Seite zu haben, der alles für ihn geben würde. Er sah, wie mich sein Verhalten traurig machte, er sah, wieviel er mir bedeutete. Die Probleme im Laufe seines Lebens haben ihn zu einem Menschen gemacht, der niemanden mehr reinlassen will. Aus Angst vor dem Verlust. Aus Angst vor Enttäuschung. Ihm gefällt die Leere, die sich in ihm breitmacht. Es gibt ihm das Gefühl, unverwundbar zu sein. Er ist hochbegabt und denkt zu viel nach. Über sein Leben, über die Welt. Und doch denkt er manchmal zu wenig. Er trinkt zu viel, in der Hoffnung, es kann alles vergessen machen. Und ich merke, wie schlecht es mir dabei geht, wenn ich wieder mitbekomme, was er macht.
Ich möchte für ihn da sein. Ihm Halt geben. Aber er würde es nicht zulassen.
Ich denke, jedes Mädchen möchte diejenige sein, zu der der Freund geht, wenn er Probleme hat. Der ihr alles anvertraut. Der sich ihr öffnet. Der sie genauso liebt wie sie ihn. Der sie nie verlieren will, um keinen Preis der Welt.
Er war es, der meinte, er will mich niemals loslassen. Und er war es, der auf einmal einfach aufhörte, sich zu melden. Der mich hinhielt. Wochenlang. Ich dachte mir immer wieder neue Ausreden aus, warum er das tut. Bis ich keine mehr fand. Bis er alles beendete. Wir waren nur so kurz zusammen, warum kann ich einfach nicht loslassen? Über ein halbes Jahr liegt zwischen der Trennung und dem heutigen Tag. Und es gab keinen Tag, an dem ich nicht an ihn gedacht habe.


via Deviantart. Profil: OjosQueVen

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